Auf die Eier, fertig, los! – Wenn Fluggerätmechaniker abheben lassen

Wie weit kann ein selbst gebautes Fluggerät fliegen – und vor allem: Kann es dabei ein rohes Ei sicher transportieren? Mit dieser ungewöhnlichen und zugleich praxisnahen Herausforderung beschäftigte sich die Lerngruppe RFG25 im zweiten Lehrjahr der Fluggerätmechaniker.

Unter dem Motto „Auf die Eier, fertig, los!“ hieß es: Aus Papier im Format DIN A4 und DIN A3 sowie Klebestreifen sollte ein Flugkörper entstehen. Die Aufgabe: Das Fluggerät sollte möglichst weit aus dem ersten Stock fliegen und dabei ein rohes Ei sicher transportieren. Wer die beste Kombination aus Flugweite und unversehrtem Ei erreichte, konnte den Wettbewerb für sich entscheiden.

Ein bewährtes Unterrichtsprojekt mit hoher Motivation

Die besondere Flug-Challenge ist an der BBS bereits seit einigen Jahren fester Bestandteil des Unterrichts und erfreut sich bei den Auszubildenden großer Beliebtheit. Die Verbindung aus technischem Wissen, kreativem Konstruieren, Wettbewerb und dem unmittelbaren praktischen Ausprobieren sorgt jedes Jahr für eine außergewöhnlich hohe Motivation.

Die Schülerinnen und Schüler sind von Anfang an mit großem Engagement dabei. Sie entwickeln eigene Ideen, diskutieren Konstruktionen, tüfteln an Details und fiebern dem Moment entgegen, an dem ihre Flugkörper tatsächlich abheben. Dabei wird aus einer zunächst spielerisch wirkenden Aufgabe schnell eine anspruchsvolle technische Herausforderung.

Bereits im vergangenen Schuljahr hatten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen ihre Fluggeräte entwickelt und gebaut. Entstanden ist dabei eine beeindruckende Vielfalt: große und kleine Flugkörper, manche erinnerten an klassische Flugzeuge, andere hatten mit einem herkömmlichen Flugzeug kaum noch Ähnlichkeit. Auch bei der Unterbringung der besonderen Fracht zeigten die Auszubildenden viel Kreativität. Das rohe Ei wurde an unterschiedlichen Stellen im Flugkörper platziert und teilweise sorgfältig geschützt und verpackt.

Dann kam der spannende Moment: Start frei!

Vom ersten Stock aus gingen die Flugkörper auf ihre Reise. Nicht jeder Flug verlief wie geplant – doch gerade darin lag der besondere Wert der Unterrichtsstunde. Gemeinsam mit ihrer Lehrkraft Kirsten Miege reflektierte die Lerngruppe anschließend die verschiedenen Flugversuche und Konstruktionen.

Aus dem Flugversuch wird technische Analyse

Warum ist der Flugkörper so geflogen – und warum nicht weiter?

Diskutiert wurden unter anderem der Wurfpunkt und die eingesetzte Kraft. Auch die Schwerpunktsetzung wurde kritisch betrachtet. Besonders interessant war dabei die zusätzliche Herausforderung durch das Ei als „Gepäckstück“. Durch dessen Gewicht und Position veränderte sich das Flugverhalten des Flugkörpers.

Auch konstruktive Details kamen auf den Prüfstand: Wie wirken sich verstärkte Tragflächen aus? Was passiert bei einer größeren Spannweite? Könnte ein Doppeldecker-Konzept Vorteile bringen? Und welche Auswirkungen hat das Design insgesamt auf die Flugeigenschaften?

Dabei wurde deutlich: Schon kleine Veränderungen können einen großen Unterschied machen. Maße müssen beachtet werden, der Körper sollte möglichst gleichmäßig gebaut sein und das Gewicht sinnvoll verteilt werden. Auch eine vergrößerte Spannweite kann die aerodynamischen Eigenschaften verbessern.

Und genau darin zeigt sich die Stärke dieses seit Jahren etablierten Unterrichtsprojekts: Ausprobieren, beobachten, analysieren, verbessern und erneut ausprobieren.

Lernen, das Spaß macht – und auf den Beruf vorbereitet

Das abschließende Fazit der Lerngruppe RFG25 fiel entsprechend eindeutig aus:

„Es hat etwas gebracht, wir hatten Spaß – gerne wieder!“

Die Auszubildenden erleben unmittelbar, dass ihre Entscheidungen Konsequenzen haben: Ein falsch gewählter Schwerpunkt, eine ungünstige Gewichtsverteilung oder eine nicht optimal ausgelegte Tragfläche können darüber entscheiden, ob der Flugkörper erfolgreich fliegt oder nicht.

Die Unterrichtsstunde hat eindrucksvoll gezeigt, wie sich Unterricht und Arbeitsleben miteinander verbinden lassen. Was zunächst nach einem spielerischen Wettbewerb klingt, beinhaltet zahlreiche Aspekte aus dem technischen Berufsalltag: planen, konstruieren, testen, Fehler erkennen, Ursachen analysieren und die eigene Lösung optimieren.

Ein rohes Ei wird dabei zum kleinen, aber wirkungsvollen Prüfstand für große Fragen der Technik.

Und wenn dabei die Motivation so hoch ist, wie bei der RFG25, darf es gerne wieder heißen: Auf die Eier, fertig, los!